2010/10/12

Raketenstart am Fallturm statt Ferien auf dem Ponyhof (German)

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Die Aufgabe, Mädchen bereits in der Schulzeit für Ingenieurwissenschaften zu interessieren, wird am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) ernst genommen und auch in die Praxis umgesetzt. Im Rahmen des Luft- und Raumfahrtprogramms des MINTIA-Klubs der Universität Bremen verbrachten sieben Teilnehmerinnen einen ganzen Ferientag im Fallturmgebäude.

Andreas Resch ist zufrieden. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZARM hat er sich seit drei Wochen darauf vorbereitet, ein spannendes und abwechslungsreiches, aber auch realitäts- und praxisnahes Programm für die MINTIA-Gäste zusammen zu stellen. Vorträge über Satellitentechnik und Planetensysteme wechseln sich mit einer Besichtigungstour durch den Fallturm und die Maschinenhalle ab, in der die Experimente unter Schwerelosigkeit vorbereitet werden. Aber die 13- bis 15-jährigen Schülerinnen tauen erst richtig auf, als sie selbst aktiv werden dürfen. Die Aufgabe: Steuerung eines Roboters auf dem Mars.

Die Schülerinnen haben in einem vorangegangenen Vortrag gelernt, dass Steuersignale zum und vom Mars ca. 20 Minuten benötigen. Doch wie wirkt sich diese Tatsache auf die Fortbewegungsmöglichkeiten der beiden NASA Rover Spirit und Opportunity aus, die zum Teil von der Erde aus gesteuert werden? Die Zeitverzögerung zwischen Aktion ("Gas geben") und Reaktion -in Form des übermittelten Bildes- soll in einem Experiment spürbar gemacht werden. Andreas Resch hat ferngesteuerte Autos mit drahtlosen Kameras ausgerüstet, deren Bilder mit einer Verzögerung von nur wenigen Sekunden auf einen Monitor übertragen werden. Nur mit Hilfe dieses zeitverzögerten Bildes müssen die Schülerinnen nun die Fahrzeuge durch einen Parcours in der Fallturmhalle steuern. Alleine diese kurze Verzögerung sorgt für Verzweiflung bei den Fahrerinnen und viel Spaß bei den ZuschauerInnen. Letztere unterstützen dann auch in schwierigen Situationen die Lenkerinnen, um verfahrene Autos wieder auf die Strecke zu bekommen. „Man unterschätzt die Schwierigkeiten bei wenigen Sekunden Verzögerung, insofern bin ich begeistert wie toll die Mädchen diese Aufgabe gemeistert haben.“, sagt Isabell Schaffer, die ebenfalls als wissenschaftliche Mitarbeiterin den Tag mitorganisiert hat.

Zum krönenden Abschluss des Fallturm-Tages dürfen die Schülerinnen in Teams Wasser-Raketen bauen. Diese bestehen aus Haushaltsgegenständen und können zu Hause nachgebaut werden: Eine 1l-Kunststoffflasche (zu 1/3 mit Wasser gefüllt) wird mit einem Korken verschlossen. Über ein Fahrradventil, das in den Korken eingebaut wird, wird in der Flasche durch Pumpen ein Überdruck aufgebaut. Der Korken schießt mit dem „Treibstoff“ Wasser heraus und die Rakete fliegt ca. 10-20m weit. „Die Leitflächen geben der Rakete die nötige Stabilität auf der Flugbahn“, erklärt Isabell Schaffer den Mädchen vorher. Die begeisterten Anfeuerungsrufe der jungen Raketen-Ingenieurinnen zum Start der selbstgebauten Flugobjekte vor dem Fallturmgebäude locken viele ZARM-MitarbeiterInnen ans Fenster.

Andreas Resch opfert gerne seine kostbare Zeit, um den Schülerinnen ein Gefühl dafür zu geben, dass Physik auch Spaß machen kann und der Berufsalltag einer Ingenieurin spannende Projekte beinhaltet. Er sieht sein Engagement als kleinen Beitrag, zukünftig mehr Studentinnen für sein Fachgebiet zu begeistern. Der durchschnittliche Anteil von Studienabsolventinnen des Fachbereichs Produktionstechnik, zu dem das ZARM-Institut gehört, liegt derzeit bei nur 18 Prozent. In Reschs eigener wissenschaftlicher Arbeitsgruppe unter der Leitung von Claus Lämmerzahl findet man allerdings phänomenale 43 % Frauen. So geht Innovation heute.

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